Keine laute Präsenz, kein Drängen nach Aufmerksamkeit. Eher ein ruhiges Selbstverständnis, gewachsen aus Jahrzehnten auf und hinter der Bühne, aus Disziplin, Neugier und einer grossen Liebe zum Theater. Seit 2017 ist Schauspielerin Ulrike Cziesla Teil von krimi.ch. In acht DinnerKrimis machte sie die Gasthäuser der Schweiz unsicher, mehrmals auch gemeinsam mit ihrem Mann Heiner Hitz. Aktuell probt sie für ihren dritten WeekendKrimi «Der Absturz». Ich habe mit mit Ulrike nach einer Probe auf einen Gin-Tonic getroffen. Wir stossen an und sie beginnt bei der Geburt.
«Ich wurde in Wiesbaden als Tochter eines Schauspielerehepaars geboren». Theater ist in ihrer Familie keine Ausnahme, sondern Tradition. «Von der Seite meiner Mutter waren wir sieben Generationen lang beim Theater», erzählt sie stolz. Sängerinnen, Tänzer, Bühnenbildner – eine ganze genealogische Linie, die von Bühnen, Probenräumen und Premieren geprägt war. «Leider habe ich weder das Talent für Gesang noch für Tanz geerbt», lacht sie und nippt am Gin-Tonic. Ihre Grosseltern mütterlicherseits waren erfolgreiche Schauspieler. «Meine Mutter wurde von Kindermädchen erzogen. Eine Erfahrung, die mir meine Mutter zum Glück erspart hat», erzählt sie. Als Ulrike geboren wurde, gab die Mutter ihren Beruf auf.
«Meist war es lustig bei uns daheim», erinnert sie sich an die Kindheit im Schauspielerhaushalt, der lebendig und oft lustig, aber nicht immer leicht war. Die wechselnden Engagements des Vaters bedeuteten häufige Umzüge. Neue Wohnungen, neue Städte, neue Schulen – in der Schweiz wie auch in Deutschland. «Das war anstrengend», sagt sie rückblickend klar.
Und vielleicht gerade wegen des oftmals chaotischen Künstlerlebens der Eltern hegte Ulrike zunächst nicht den Wunsch, selbst Schauspielerin zu werden. «Bis etwa zwölf Jahre wollte ich Kakteenzüchterin werden. Danach Tierärztin», verrät sie. Die Liebe zu Tieren und Pflanzen ist geblieben, das Interesse am Theater kam später. «Das Kakteenzüchten erschien mir irgendwann zu langweilig und das Tierarztstudium zu anstrengend», sagt sie schmunzelnd. Also probierte sie mit 18 Jahren doch die Aufnahmeprüfung an der staatlichen Schauspielschule in Zürich – und wurde prompt aufgenommen. «Ein Jahr vor der Matur brach ich deshalb die Schule ab, was meine Eltern gar nicht gut fanden.» Sie entscheidet sich kompromisslos für die Bühne. Nach drei Jahren Ausbildung folgt das erste Engagement am Stadttheater Basel, danach drei intensive Jahre als Ensemblemitglied am Stadttheater Wilhelmshaven. Es ist eine prägende Zeit, eine Schule des Alltags und der Disziplin.
Zurück in Zürich arbeitet sie mit Ruedi Walter und Inigo Gallo in «My Fründ Hanspi» und «3 Männer im Schnee» und steht über viele Jahre regelmässig im Bernhard Theater auf der Bühne. Abendstücke, Weihnachtsmärchen, grosse und kleine Rollen. Es folgen Engagements bei Erich Vock und in den Kammerspielen Seeb. Ulrike Cziesla arbeitet mit vielen prägenden Persönlichkeiten des Schweizer Theaters zusammen und entwickelt dabei jene ruhige Sicherheit, die man ihr heute sofort anmerkt.
Doch nicht nur beruflich tritt Ulrike in die Fussstapfen ihrer Eltern. Auch privat scheint sie denselben Weg zu gehen und gründet selbst eine Künstlerfamilie: Seit über dreissig Jahren ist sie mit Schauspieler Heiner Hitz verheiratet. Die gemeinsamen Töchter Julie und Anja haben zwar andere Berufswege eingeschlagen, und doch spielt Sprache weiterhin eine zentrale Rolle. Die ältere Tochter ist Germanistin, arbeitet heute als Lektorin, Korrektorin und Deutschlehrerin. Die jüngere ist Logopädin und im Spital tätig. «Doch beide Berufe haben mit Sprache zu tun, was die Familientradition im weiteren Sinne auch fortführt.»
Eine Schauspielerehe sei vieles, aber sicher nie langweilig. «Wir haben immer Gesprächsstoff», lacht sie. Gleichzeitig benennt sie offen die Schattenseiten des Berufs: die finanzielle Unsicherheit, das ständige Planen, die Abhängigkeit von Engagements. Gerade als Freiberufler ist das ein Thema, das nie ganz verschwindet. «Und wenn gleich beide Ehepartner in dieser Situation stecken, kann es manchmal schwierig werden», verrät sie und fügt schmunzelnd an: «Aber wir haben es bis jetzt noch immer irgendwie geschafft!»
Als Ulrike vom Format DinnerKrimi hört, weiss sie sofort, dass sie das machen will. Nach vielen Jahren auf der klassischen Bühne reizt sie das Improvisieren, der unmittelbare Kontakt mit dem Publikum, das Unvorhersehbare. Zunächst engagiere ich jedoch ihren Mann Heiner, der Ulrike mit seiner Begeisterung ansteckt. Ulrike schickte mir daraufhin, ganz altmodisch, eine Bewerbung per Post. «Das hat dich damals wohl erstaunt, nicht?», fragt sie mich unverblümt. Ehrlich gesagt erinnere ich mich heute weniger an die Überraschung als an den Moment, in dem ich einen neuen Ordner anlegte – einen für Bewerbungen, die tatsächlich noch auf Papier eintrafen. Ulrikes Vita ist bis heute die einzige, die darin liegt.
Dann kommt die Pandemie. Nach der Premiere des DinnerKrimis «Weisswein Massaker» wird alles abrupt gestoppt. Unsicherheit, Stillstand, Abstand, Masken. «Es war sehr schwierig, plötzlich so viel Freizeit zu haben und vor allem nicht zu wissen, wie lange das dauern würde.» Dank Kurzarbeit von krimi.ch und Ulrikes anderer Arbeitgeberin, der Schweizer Blindenbibliothek, kommt sie über die Runden. Der Garten wird zum Rückzugsort, die Hunde geniessen die vielen Spaziergänge. Der zweite Lockdown fühlt sich fast schlimmer an als der erste. Und als endlich wieder gespielt werden darf, geschieht etwas Besonderes: Beim Song «Hello Again» fliessen Tränen. Bei den Schauspielern ebenso wie im Publikum. Erleichterung, Dankbarkeit, ein kollektives Aufatmen.
Heute ist Ulrike Cziesla tief mit dem WeekendKrimi-Format verbunden. «Der Absturz» ist bereits ihr dritter Fall. Das dreitägige Krimiwochenende hat es ihr angetan. Was sie daran fasziniert, ist die Nähe zum Publikum, die Intensität über drei Tage hinweg, das Wissen, dass kein Wochenende je genau gleich verläuft. «Die Figuren entwickeln sich nicht nur durch Text, sondern durch Begegnungen, Blicke oder zufällige Gespräche», erklärt sie euphorisch.
«Und dazu kommen tolle Hotels, oft mit gutem Essen, manchmal mit Spa-Bereich», schwärmt sie und verrät: «Da entsteht für mich manchmal eine Atmosphäre, in der Arbeiten und privater Alltag verschmelzen.» Vor allem aber ist es die Gemeinschaft unter den Schauspielerinnen und Schauspielern, betont sie. «Wir sind eine grossartige Truppe», sagt Ulrike, «eine Gruppe, die sich blind aufeinander verlassen kann – und das auch muss.» Denn beim WeekendKrimi ist Improvisation kein Extra, sondern Voraussetzung. «Unverhofft kommt oft», wie man so schön sagt, und genau darin liegt der Reiz.
Hinter den Kulissen beginnt jedes Wochenende mit herzlichen Begrüssungen. Vier Tage hat man sich nicht gesehen, und doch fühlt es sich an wie ein Wiedersehen unter alten Freunden. Es folgen Hotelbesichtigungen, bei denen sehr praktische und existenzielle Fragen geklärt werden müssen («Wer stirbt wo?»): Wie kommt man als Tote ungesehen zurück ins Zimmer? Darf man Kunstblut verwenden oder leidet der Boden darunter? Dann folgen Soundcheck, Sitzordnung und schliesslich ein kurzer gemeinsamer Apero. «Um etwa 18.30 Uhr ziehe ich mich in mein Zimmer zurück, ziehe mich an, schminke mich und gehe nochmals übers Script», erzählt sie. Und eine Stunde später geht die dreitägige Mörderjagd los.
«Wir sind immer in den Rollen. Ausser am Samstagmittag, da gehen wir während unserer Pause oft gemeinsam auswärts essen», erzählt sie. «Und wenn kein Publikum in Sicht ist, dürfen wir uns die Perücke vom Kopf reissen – welch Befreiung!» Manchmal gönnt sich Ulrike in der freien Zeit auch das Hotelspa oder eine Massage. Am Sonntagmittag heisst es Abschied nehmen. Züge werden verglichen, Fotos in den Chat gestellt, letzte Umarmungen. «Welchen Zug nimmst du nächsten Freitag?» Und vier Tage später geht es wieder von vorne los – «an rund 20 Wochenenden im Jahr».
Und dann spreche ich sie auf die Pensionierung an, die nächstes Jahr ansteht. «Böser Peter», sagt sie lachend, «jetzt wissen alle, dass ich nicht mehr 30 bin!» Sie trinkt den letzten Schluck ihres Gin-Tonics aus. «Doch im Ernst: Ruhestand im klassischen Sinn kann ich mir kaum vorstellen. Meine Grossmutter stand mit über 90 noch auf der Bühne. Und wenn die Gesundheit es zulässt, möchte ich das auch.» Schliesslich haben wir den schönsten Beruf der Welt, stelle ich in den Raum. «Wo sonst bekommt man jedes Wochenende Applaus?», kontert sie und wir stossen mit unseren leeren Gläsern nochmals an.
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Beant
Beantworte die folgende Frage richtig und schon kannst du gewinnen!
Wie heissen Ulrike Czieslas Töchter?
a) Julia und Annette
b) Juliette und Tanja
c) Julie und Anja
Schicke deine Antworte bis zum 28. Februar 2026 an wettbewerb(ät)krimi.ch – Viel Glück!
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