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«Blutüberströmt auf dem WC-Deckel»

Schauspieler Talk
KT
Jürg C. Maier ermittelt neu bei «Tatort Langstrasse».

17. Juni 2025

von Peter Denlo

Am 29. August 2025 startet in Zürich unser neues Krimi-Format Tatort Langstrasse. Es verbindet Schauspiel, Stadtgeschichte und interaktiven Nervenkitzel – mit dabei ein Urgestein der Schweizer Theaterlandschaft: Jürg C. Maier. Seit über vierzig Jahren steht er als Schauspieler, Regisseur und Trainer auf und neben der Bühne. Ich habe mit Jürg über seine Anfänge, das Milieu rund um die Langstrasse und seine besondere Beziehung zu Leichen gesprochen.

„Ich wollte Koch werden!“, fährt es resolut aus ihm raus. Doch eine Leiche – vielleicht schon eine frühe Vorahnung seiner späteren Arbeit bei krimi.ch – liess diesen Berufswunsch rasch verblassen. Seine erste bewusste Begegnung mit Schauspiel: ein alter Bauer auf der Dorftheaterbühne in Gebenstorf, der im Stück sterben musste. Doch dann sass der eben Verstorbene plötzlich quietschlebendig seitlich der Bühne und wartete auf den Schlussapplaus. Wie konnte das sein? Hatte das mit Zauberei zu tun? Oder war eben doch alles nur Illusion?

«So übte das Theater schon sehr früh eine Faszination auf mich aus», erklärt er. Seine Eltern wollten ihn zu Rosmarie Metzenthin schicken, einer damaligen Koryphäe in der Welt des Kindertheaters. «Aber dafür reichte das Geld nicht. Also baute ich mir meine eigenen Bühnen im Kinderzimmer.» Seine kleine Schwester musste als Assistentin herhalten. «Allerdings stand die lieber im Tütü an der Kasse als mir zu assistieren. Tat sie es trotzdem, so beschimpfte ich sie beim kleinsten Fehler auf offener Bühne mit: 'Du Tummi Chue, du Tummi!’»

Er war ein begeisterter Zauberer und Imitator: «Ich habe sehr gerne Kabarettnummern von damals bekannten Künstlern gehört, am Radio oder auf Platten, und diese dann stundenlang imitiert.» So entwickelte er auch ein Ohr für verschiedene Dialekte – eine Fähigkeit, die ihm später auf der Bühne von grossem Nutzen sein sollte.

Die berühmte LDB-Akademie
Jürgs offizieller Start ins Theaterleben kam mit neunzehn Jahren: bei der Theatergruppe Friesenberg in Zürich als Kommissar Scharf in Jakob Steblers Stück Ä aasteckendi Gsundheit. Das Virus hatte ihn nun sprichwörtlich erwischt und Jürg nahm erste Theaterkurse und Schauspielunterricht.

Als in Zürich die Schauspielakademie gegründet wurde, war er jedoch bereits zu alt fürs Vorsprechen. «Also besuchte ich weiterhin, wie so viele meiner Berufskollegen die berühmte LBD-Akademie», zwinkert er mit den Augen. «Und nicht nur den Schauspielberuf lernte ich durch learning by doing, zwischen meinen Engagements arbeitete ich in den verschiedensten Berufen: Grafiker, Uhrenverkäufer, Messebauer, Kleiderverkäufer, Buffetaushilfe, Teppichverkäufer, Dekorateur, Reinzeichner, Bankangestellter und ich hatte sogar eine eigene Herrenmodeboutique», strahlt er. Aber das Ziel war immer klar – ab auf die Bühne.

40 Jahre später
Heute blickt Jürg C. Maier auf vier Jahrzehnte Theatererfahrung zurück. «OMG, jetzt wissen alle, dass sie es mit einem alten Sack zu tun haben», quietscht er. In unzählige Rollen, Formaten, Genres war Jürg zu sehen. «Ein besonderer Moment war die Eröffnung des Zürcher Theater Spektakels mit Wolfgang Hildesheimers Mary Stuart mit Margrit Winter in der Hauptrolle. Sie war die erste Reinhardt-Ring Trägerin der Schweiz – eine grossartige Schauspielerin»

Dreizehn Jahre lang spielte er im Fernsehen an der Seite von Viktor Giacobbo im legendären Viktor’s Spätprogramm. «Ich wurde in unzähligen Sketches in den unterschiedlichsten Rollen eingesetzt.»

Jürg als Leiter der «Hobby Indianer» in Viktor's Spätprogramm, 1994.

Besonders bleibt ihm auch seine Arbeit als Synchronsprecher: «Für eine Zeichentrickserie, die europaweit gleichzeitig in den jeweiligen Landessprachen ausgestrahlt wurde, durfte ich in der Schweizer Fassung die Rolle eines frechen Wysels sprechen. Später habe ich erfahren, dass ich bei den Kindern wahre Begeisterungsstürme ausgelöst haben soll. Tja, wenn man keine eigenen Kinder hat, dann erfährt man solches eben erst viel später…»

Ein Höhepunkt war auch der Kinofilm Luchsinger und die Götter von Markus Köbeli, «den wir während fünf Wochen auf Bali gedreht haben. Leider bekam der Film nicht die Beachtung, die er verdient hätte.»

Und schliesslich sein Solo-Programm: Maier spielt mit Erhardt, in dem er Texte des Komikers und Dichters Heinz Erhardt aufführte – in über 200 Vorstellungen in der Schweiz und in Deutschland. «Das Publikum zum Lachen zu bringen – das ist etwas vom Schönsten.»

Ein Herzensprojekt war auch die Gründung seines eigenen Theaters, dem Maiers am Albisriederplatz in Zürich. «Ohne meinen Einsatz und viele Mittäter wäre ein einmaliger Kinoraum in Vergessenheit geraten oder ganz verschwunden. Ich bin stolz, dass es dieses Theater, zwar unter anderen Namen, heute noch gibt.»

«Spaghettiallee» und «Trottoir-Schwalben»
Aufgewachsen im Kreis 3, war die Langstrasse für Jürg schon früh ein Begriff: «Ich erinnere mich an die Bezeichnung 'Spaghettiallee', als viele 'Tschinggen' im 'Chreis Cheib' wohnten. Wie man sieht, die Sprache war roh und direkt. Wenn jemandem schlecht wurde, dann hat er 'im Zick Zack d'Langstrass kiisset' oder 'e Pizza in Egge gleit’», lacht er schelmisch. «Und klar, die Trottoir-Schwalben machten schon damals unter strenger Polizeikontrolle den Strassenstrich. Es gab aber auch Bordelle und ‚Kontaktbars‘, wie man solche Etablissements damals nannte. Doch das alles kannte ich nur vom Hörensagen. Denn als junger, attraktiver, schwuler Mann mit krausen Haaren und dem gewissen Etwas bewegte ich mich durch andere Gefilde…»

Blutüberströmt auf dem WC-Deckel
Schauspieler Christoph Matti war in vielen DinnerKrimis zu sehen und führte mit schliesslich mit Jürg zusammen. So entstand vor rund 15 Jahren nicht nur eine ertragreiche Zusammenarbeit, sondern auch eine wunderbare Freundschaft. Jürg war seither in vielen DinnerKrimis, WeekendKrimis und fünf Ausgaben von Tatort Jungfrau zu sehen und war mit seinem Talent immer ein Erfolgsgarant. «Bei diesen Formaten ist der direkte Kontakt zum Publikum das Spezielle. Das ist unmittelbar und sehr direkt. Da hat mir meine Ausbildung zum Improspieler enorm geholfen.»

Jürg hat auch mehrere DinnerKrimis inszeniert und stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite. «Aber am liebsten habe ich immer die langen Formate gespielt, also WeekendKrimi und Tatort Jungfrau. Sich über Stunden oder Tage hinweg unter die Leute mischen und dabei in der Rolle bleiben – das macht mir riesigen Spass.»

Jürg als Heinz Brüderli im Tatort Jungfrau «Der Fall Linda Frost», 2014.

Eine blutige Anekdote bleibt ihm aus einem WeekendKrimi besonders in Erinnerung: «Ich wurde gerade in einer Hotelküche ermordet und lag blutüberströmt auf dem Boden. Sobald alle Zuschauer die Leiche gesehen hatten, musste ich ungesehen in mein Hotelzimmer verschwinden. Es lag in einer Erdgeschossdependance ausserhalb des Haupthauses. Die Jalousien hatte ich zwar runtergelassen, aber man konnte sie verbiegen und hineinsehen. Kaum war ich in meinem Zimmer angekommen, begannen einige besonders eifrige Detektive an den Jalousien herumzureissen, klopften an der Tür und versuchten sie zu öffnen. Ich sass sicherlich eine Viertelstunde blutverschmiert auf dem WC-Deckel im Dunkeln des Badezimmers, damit niemand merkt, dass da die Leiche von vorhin wohnt…»

Tatort Langstrasse ab August 2025
Auch bei Tatort Langstrasse, wie bei vielen unserer interaktiven Krimis, werden die Grenzen zwischen Realität und Fiktion fliessend sein. Das kennt Jürg C. Maier bereits aus dem Effeff. «Die Anfrage hat mich sehr gefreut. Und ich denke, dass ich die Erfahrung von WeekendKrimi und Tatort Jungfrau bestens einsetzen kann. Auch finde ich den Spielort total spannend, obwohl ich noch nicht genau weiss, was mich erwartet.»

«Was würdest du denn gerne spielen?», frage ich ihn mit grossen Ohren, schliesslich bin ich als Autor immer noch auf der Suche nach Inspiration. «Am liebsten würde ich einen Immobilieheini mimen, der ganze Häuserzeilen aufkauft und allen Bewohnern die Wohnung kündigt, um sogenannte 'Studentinnenzimmer' zu vermieten. Ein Sauhund der ersten Klasse.»

«Der wird dann aber sehr schnell gelyncht und endet als Leiche», warne ich ihn.

«Ja, dann warte ich wie damals der Bauer im Dorftheater gemütlich am Rand auf den Schlussapplaus», lacht er laut und fügt noch genüsslich an: «einfach mit einem Glas Weisswein in der Hand.»

Welche Rolle ich ihm auf den Leib schreiben werde, bleibt momentan noch offen. Sicher ist: Wer Jürg erleben will, hat ab dem 29. August 2025 im legendären Kreis 4 die Gelegenheit dazu, wenn Tatort Langstrasse Premiere feiert.

Und wer gerne mehr über Jürg C. Maier erfahren möchte, muss leider noch warten. «Aber wer weiss, vielleicht erscheint dann irgendwann noch meine Autobiografie. Vielleicht eine mehrbändige, die getrost als Netflix-Serie oder Oper umgesetzt werden könnte...»

«Tatort Langstrasse»

Krimi Trail live

August bis Dezember 2025

Tauche ein in einen packenden Live-Krimi, folge den Spuren und finde den Täter. Doch sei auf der Hut – du bist mitten im Geschehen, und Mörder mögen es nicht, wenn man ihnen zu nahe kommt… «Tatort Langstrasse» ist ein unvergesslicher Spass in Zürichs Rotlichtviertel, wo es viele Geheimnisse zu knacken gibt...