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Wer hat Marilyn Monroe ermordet

True Crime
Der Krimi zum 100. Geburtstag der Hollywood-Legende

01. Juni 2026

von Peter Denlo

Am 1. Juni 2026 wäre die Schauspielerin und Sängerin Marilyn Monroe 100 Jahre alt geworden. Um den tragischen Tod der Ikone und des wohl grössten Sexsymbols des 20. Jahrhunderts ranken sich bis heute Mythen, Legenden und Verschwörungstheorien. Die breite Öffentlichkeit hat längst die eine oder andere Mordgeschichte übernommen und den Namen einer berühmten Familie mit ihrem frühen Tod verbunden: die Kennedys.

Als ich neun Jahre alt war, verfiel ich dem Charme der Monroe, nachdem ich mit meiner Schwester die Komödie Blondinen bevorzugt im Fernsehen gesehen hatte. Meine Eltern waren zunehmend alarmiert, als ich mir zu Weihnachten und Geburtstag Bücher über die Hollywood-Diva wünschte. Doch es waren nicht die freizügigen und inzwischen legendären Kalenderfotos aus dem Jahr 1949, die mich faszinierten. Es war das Leben dieser Frau.

Da war die lieblose Kindheit eines Mädchens namens Norma Jeane, das von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben wurde und sogar anderthalb Jahre in einem Waisenhaus verbrachte. Da war der langsame, aber stetige Aufstieg eines Fotomodells zum grössten Filmstar seiner Zeit. Eine junge Frau, die mit eiserner Disziplin, Ehrgeiz und Hartnäckigkeit gegen Vorurteile, Produzenten und ein oft gnadenloses Studiosystem ankämpfte, um ihren Traum von Ruhm und Anerkennung zu verwirklichen.

Und da war schliesslich der Fall einer sensiblen, verletzlichen Person, die mit eben jenem Ruhm, nach dem sie sich ihr ganzes Leben gesehnt hatte, immer weniger zurechtkam. Einer Frau, die unter Schlaflosigkeit, Ängsten und Depressionen litt, Zuflucht in Medikamenten suchte und deren Leben mit nur 36 Jahren ein tragisches Ende fand.

Diese Geschichte hat mich nie losgelassen. Vielleicht weil sie alle Zutaten eines grossen Dramas enthält: Armut und Reichtum, Hoffnung und Enttäuschung, Erfolg und Einsamkeit. Vielleicht aber auch, weil Marilyn Monroe bis heute mehr Projektionsfläche als Mensch geblieben ist. Für die einen war sie die naive Blondine, für die anderen eine verführerische Sexbombe, für wieder andere ein Opfer der Männerwelt.

Je mehr ich über sie las, desto deutlicher wurde mir jedoch, dass hinter der öffentlichen Figur eine weit komplexere Persönlichkeit stand: intelligent, belesen, ehrgeizig, humorvoll, unsicher und voller Widersprüche. Die Faszination dieses Märchens ohne Happy End hält für mich bis heute an.

Ist ihr Tod ein Krimi?
Als Krimiautor war es natürlich auch ihr Tod, der mich immer wieder faszinierte. Schon in den 1980er Jahren hörte ich zum ersten Mal von den mächtigen Männern aus Politik und Gesellschaft, die Marilyn Monroe angeblich zum Verhängnis geworden waren. Die Geschichte liess mich nicht mehr los. Über Jahrzehnte verschlang ich ein Buch nach dem anderen und folgte jeder neuen Spur, jeder Theorie und jeder vermeintlichen Enthüllung.

Sie erzählten von Affären, die Marilyn angeblich mit beiden Kennedy-Brüdern gehabt haben soll – mit Präsident John F. Kennedy ebenso wie mit dessen Bruder Robert F. Kennedy, dem damaligen US-Justizminister. Andere Bücher brachten die US-Mafia ins Spiel, mit deren Killern die Monroe ebenfalls im Bett gewesen sein soll. Ein Autor stellte die Theorie auf, ein als Milchmann verkleideter ostdeutscher Geheimagent habe sie mit vergifteter Milch ermordet. In anderen Büchern waren die Täter die Bosse der Hollywood-Studios, ihr Psychiater, Fidel Castro und seine Schergen oder gar Marilyns Haushälterin. Letztere soll ihr angeblich die tödliche Dosis sogar eigenhändig rektal verabreicht haben.

Dabei lautet die offizielle Todesursache «probable suicide» – wahrscheinlicher Suizid. Das «wahrscheinlich» bezieht sich nicht auf die Frage, ob Marilyn Monroe an einer Überdosis starb, sondern darauf, ob diese absichtlich oder versehentlich herbeigeführt wurde. Monroes Tod wurde zudem nicht nur 1962 untersucht, sondern 1982 im Auftrag der Staatsanwaltschaft von Los Angeles erneut aufgerollt. Auch diese Untersuchung kam zum selben Schluss: Es fanden sich keine Hinweise auf ein Fremdverschulden. Die Ermittler bestätigten die ursprüngliche Einstufung als wahrscheinlichen Suizid.

Was also stimmt an all diesen Theorien von Mord und Totschlag im Fall Marilyn Monroe? Die Antwort ist ernüchternd: nichts.

In den unzähligen Büchern, die ich gelesen habe, zieht sich ein roter Faden durch sämtliche Mordtheorien: Geld. Autoren und Verlage profitierten von jeder neuen Enthüllung, jedem angeblichen Zeugen und jeder noch so wilden Verschwörung. Denn ein Mord verkauft sich besser als die tragische Geschichte einer Frau, die an ihren psychischen Problemen zerbrach und schliesslich an einer Überdosis von Schlaf- und Beruhigungsmitteln starb.

Der wahre Krimi
Und trotzdem finden wir im Tod von Marilyn Monroe einen echten Krimi. Darin geht es nicht um Mord, sondern um Politik, Propaganda, Sensationsjournalismus und viel Geld.

Der eigentliche Kriminalfall beginnt nicht in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1962 in Marilyn Monroes Schlafzimmer im Los Angeles Stadtteil Brentwood. Er beginnt erst danach, auf den Schreibtischen von Journalisten, Autoren und Verlegern.

Gut zwei Monate vor ihrem Tod hatte Marilyn Monroe am 19. Mai 1962 im Madison Square Garden in New York das inzwischen legendäre Geburtstagsständchen für Präsident John F. Kennedy gesungen. Als überzeugte Demokratin und Bewunderin der Familie Kennedy schlug sie die Einladung zu der Gala nicht aus. Über 15’000 Gäste wohnten dem Anlass bei. Neben Marilyn traten zahlreiche weitere Berühmtheiten auf, darunter Maria Callas, Harry Belafonte, Ella Fitzgerald und Shirley MacLaine.

Es war ein glamouröser Abend, der in die Geschichte einging. Doch niemand ahnte damals, dass die wenigen Minuten auf der Bühne Jahrzehnte später als angeblicher Beweis für eine Liebesaffäre dienen würden.

Nach Marilyn Monroes Tod im August 1962 tauchten in einigen Klatschspalten erste Gerüchte auf. Ihre sinnliche Interpretation von «Happy Birthday, Mr. President» sei zu intim gewesen, hiess es. Vielleicht sei da mehr gewesen als bloss ein Bühnenauftritt. Es waren vage Spekulationen, Randnotizen ohne Beweise und zunächst kaum mehr als Boulevardklatsch.

Erst die politischen Spannungen der 1960er Jahre verwandelten diese Gerüchte in eine Verschwörungstheorie: Knapp ein Jahr nach dem Attentat auf Präsident Kennedy veröffentlichte der rechtskonservative Journalist Frank A. Capell im Eigenverlag das kaum 90 Seiten starke Pamphlet The Strange Death of Marilyn Monroe. Darin konstruierte er erstmals eine Affäre zwischen Marilyn Monroe und Robert F. Kennedy, dem damaligen US-Justizminister. Capell behauptete, Monroe habe von Kennedy politische Geheimnisse erfahren und gedroht, diese öffentlich zu machen. Deshalb sei sie beseitigt worden.

Für diese Behauptungen präsentierte Capell keine Beweise. Dennoch erfüllte das Pamphlet seinen Zweck. Robert F. Kennedy war damals einer der bekanntesten und populärsten Politiker Amerikas. Eine Verbindung zwischen ihm und dem Tod des grössten Hollywood-Stars seiner Zeit versprach Aufmerksamkeit.

Capells Ziel war in erster Linie politisch. Er wollte dem aufstrebenden Kennedy schaden. Während Robert F. Kennedy für den Senat kandidierte und später seine Präsidentschaftskampagne vorbereitete, druckte Capell sein Büchlein immer wieder neu. Ausserhalb ultrakonservativer Kreise interessierte sich jedoch kaum jemand dafür.

Das änderte sich schlagartig im Jahr 1973, als der bereits weltberühmte Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger Norman Mailer seine Biografie Marilyn veröffentlichte. Das Buch wurde ein internationaler Bestseller und erreichte Millionen von Leserinnen und Lesern. Mailer übernahm wesentliche Teile von Capells Theorie und machte sie erstmals einem Massenpublikum zugänglich.

In seiner Darstellung wurde aus einer politischen Verleumdung eine scheinbar ernstzunehmende Möglichkeit. Mailer spekulierte offen darüber, dass Robert F. Kennedy Marilyn Monroe durch CIA und FBI habe beseitigen lassen, um einen politischen Skandal zu verhindern.

Bemerkenswert ist dabei, dass Mailer selbst später zugab, diese Theorie nie recherchiert zu haben. In einem Fernsehinterview erklärte er offen, das Buch sei in erster Linie ein kommerzielles Projekt gewesen. Die Mordgeschichte habe das Werk spannender und damit verkaufskräftiger gemacht.

Aus einer Randnotiz der Klatschpresse war ein Bestseller geworden. Aus einer politischen Kampfschrift eine vermeintlich historische Tatsache. Doch der Samen war nun endgültig gesät und das Geschäft mit Marilyn Monroes Tod begann zu florieren.

Nur zwei Jahre später erschien The Life and Curious Death of Marilyn Monroe. Die Journalisten Frank A. Capell und Will Fowler spannten hierfür mit dem drittklassigen Drehbuchautor Robert F. Slatzer zusammen, der Monroe tatsächlich persönlich kennengelernt hatte und dies mit einer Handvoll Fotos beweisen konnte. Die drei bauten die Geschichte weiter aus. Slatzer behauptete, er sei 1952 heimlich mit Marilyn Monroe verheiratet gewesen und bis zu ihrem Tod ihr engster Vertrauter geblieben. Die Schauspielerin habe ihm sämtliche Geheimnisse anvertraut, schrieb er. Insbesondere ihre Beziehungen zu den Kennedy-Brüdern und ihre Angst vor Robert F. Kennedy, sie um die Ecke zu bringen.

Für diese Geschichte erfanden die Autoren zentrale Elemente, die später jahrzehntelang durch Bücher und Dokumentationen geisterten: das berüchtigte «Rote Tagebuch», in dem Marilyn angeblich brisante Informationen notiert haben soll, sowie eine angebliche Pressekonferenz, auf der sie am Tag nach ihrem Tod alles enthüllen wollte. Beides wurde zum angeblichen Motiv für ihre Ermordung.

In den folgenden Jahrzehnten griffen zahllose Autoren diese Behauptungen auf, schmückten sie aus und ergänzten sie um immer neue Details. Mal sollen CIA und FBI das Haus der Monroe verwanzt haben. Mal die Mafia. Mal kubanische Agenten. Andere behaupteten, Robert Kennedy am Todestag in Los Angeles gesehen zu haben. Wieder andere wollten geheime Tonbänder gehört haben, auf denen die letzten Stunden des Filmstars dokumentiert seien.

Das Problem bei all diesen Geschichten ist einfach: Weder das Rote Tagebuch noch die Tonaufnahmen sind jemals aufgetaucht. Kein Archiv besitzt sie. Kein Sammler hat sie vorgelegt. Keine Auktion hat sie angeboten. Für Objekte von solch historischer Bedeutung ist das bemerkenswert.

Wie aus einer Legende Geschichte wurde
Erst Anthony Summers’ 1985 erschienene Biografie Marilyn Monroe: Die Wahrheit über ihr Leben und Sterben rückte John F. Kennedy stärker ins Zentrum der Geschichte. Summers übernahm zahlreiche Behauptungen aus dem Umfeld von Robert F. Slatzer und verlieh ihnen durch seine umfangreiche Recherche einen Anstrich von Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig brachte er die erfolglose Schauspielerin Jeanne Carmen ins Spiel, die behauptete, Monroes Nachbarin und beste Freundin gewesen zu sein. Carmen erklärte, die angeblichen Affären mit beiden Kennedy-Brüdern aus erster Hand miterlebt zu haben.

Mit Summers’ Bestseller gelangten die Geschichten über John F. Kennedy erstmals zu einem Millionenpublikum und wurden in den folgenden Jahrzehnten von Dokumentationen, Zeitungsartikeln und weiteren Büchern immer wieder aufgegriffen. Vieles von dem, was heute als angeblich gesicherte Tatsache über Marilyn Monroe und die Kennedys gilt, lässt sich auf diese Veröffentlichungen der 1970er- und 1980er-Jahre zurückführen.

Anfang der 1990er Jahre begann das Kartenhaus endlich zusammenzufallen. 1991 räumte Journalist Will Fowler in seiner Autobiografie Reporters ein, dass sein gemeinsam mit Capell und Slatzer verfasstes Buch reine Fantasie gewesen war. Zwei Jahre später zeigte Donald Spoto in seiner sorgfältig recherchierten Biografie Marilyn Monroe: Die Biografie, dass zahlreiche Behauptungen der Mordtheoretiker nachweislich falsch und Slatzers Ehe-Behauptung eine glatte Lüge waren.

Doch Legenden sterben langsamer als Menschen. Bis heute glauben viele Menschen, Marilyn Monroe sei Opfer eines politischen Mordes geworden. Ihre angeblichen Affären mit den Kennedys gelten oft als historische Gewissheit. Die verfügbaren Dokumente, Zeugenaussagen und historischen Quellen liefern dafür jedoch keine belastbaren Belege.

Marilyn Monroe kannte Robert F. Kennedy und seine Frau Ethel und traf sie ein einige Male bei gesellschaftlichen Anlässen. Sie interessierte sich für Politik und diskutierte leidenschaftlich mit dem Justizminister. Zudem half er ihr in den letzten Wochen ihres Lebens dabei, einen Gesprächskanal zu 20th Century Fox wiederherzustellen, nachdem das Studio sie entlassen hatte. Für eine intime Beziehung gibt es jedoch keine überzeugenden Beweise.

Noch dünner ist die Quellenlage bei Präsident John F. Kennedy. Nach heutigem Kenntnisstand wurde Marilyn Monroe ihm offiziell nur ein einziges Mal vorgestellt: bei einer privaten Feier nach ihrem berühmten «Happy Birthday»-Auftritt vom 19. Mai 1962. Eine Affäre gab es nicht.

Der wahre Krimi um Marilyn Monroes Tod handelt deshalb nicht von einem Mord. Er handelt davon, wie aus Gerüchten Geschichten wurden, aus Geschichten Bestseller und aus Bestsellern vermeintliche Wahrheiten.

Doch wie starb Marilyn Monroe wirklich?
Wer sich ernsthaft mit Marilyn Monroes Tod beschäftigt, kommt irgendwann an einen Punkt, an dem die Mordtheorien an Bedeutung verlieren. Statt Geheimagenten, Politikern und Auftragskillern tritt eine andere, weitaus tragischere Geschichte in den Vordergrund: die Geschichte einer Frau, die ihr Leben lang mit psychischen Belastungen kämpfte.

Psychische Erkrankungen waren in Monroes mütterlicher Familie weit verbreitet. Ihrer Grossmutter Della Monroe wurde eine schwere psychische Erkrankung zugeschrieben. Einer oft erzählten Familiengeschichte zufolge soll sie versucht haben, die kaum einjährige Norma Jeane mit einem Kissen zu ersticken. Zweifelsfrei belegen lässt sich dieser Vorfall heute allerdings nicht. Sicher ist jedoch, dass Della Monroe ihre letzten Lebensjahre in psychiatrischen Einrichtungen verbrachte.

Auch Marilyns Mutter Gladys Baker (1902–1984) litt unter schweren psychischen Problemen. Sie erlitt wiederholt psychische Krisen und verbrachte einen grossen Teil ihres Lebens in psychiatrischer Behandlung. Für die junge Norma Jeane bedeutete dies eine Kindheit voller Unsicherheit, wechselnder Pflegefamilien und emotionaler Verluste.

Vor diesem Hintergrund erscheint Marilyn Monroes späteres Leben in einem anderen Licht. Die Schauspielerin kämpfte nachweislich mit starken Stimmungsschwankungen, Phasen tiefer Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen und Ängsten. Mehrere Suizidversuche sind dokumentiert. Gleichzeitig war sie intelligent, ehrgeizig, humorvoll und von einem beinahe unerschütterlichen Willen getrieben, sich als ernsthafte Schauspielerin zu etablieren. Gerade diese Gegensätze machen sie für viele Menschen so faszinierend.

Obwohl keine abschliessende psychiatrische Diagnose vorliegt, gehen Fachleute heute davon aus, dass Marilyn Monroe wiederholt unter depressiven Episoden litt. Ob darüber hinaus weitere psychische Erkrankungen vorlagen, lässt sich rückblickend nicht mit Sicherheit feststellen. Unbestritten ist hingegen, dass sich ihr psychischer Zustand in den letzten Lebensjahren zunehmend verschlechterte.

Hinzu kam ein medizinisches System, das heute kaum mehr vorstellbar ist. In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren wurden Schlafmittel, Beruhigungsmittel und stimulierende Medikamente grosszügig verschrieben. Viele Ärzte erkannten die Risiken dieser Präparate noch nicht vollständig oder unterschätzten sie.

Auch Marilyn Monroe geriet in diesen Kreislauf. Schlafmittel, Beruhigungstabletten und aufputschende Medikamente gehörten zu ihrem Alltag. Obwohl ihr Psychiater Ralph Greenson versuchte, den Medikamentenkonsum einzudämmen und stärker zu kontrollieren, wurden ihr allein in den letzten 60 Tagen ihres Lebens nachweislich rund 830 Tabletten verschrieben. Verschiedene Ärzte behandelten unterschiedliche Beschwerden, oft ohne die Verschreibungen ihrer Kollegen vollständig zu kennen.

Marilyn Monroe starb schliesslich in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1962 in ihrem Haus in Brentwood an einer Überdosis der Medikamente Nembutal und Chloralhydrat. Beide Präparate galten damals als gängige Schlaf- und Beruhigungsmittel. In Kombination verstärken sie jedoch ihre Wirkung erheblich. Die toxikologischen Untersuchungen ergaben eine Konzentration der Substanzen, die weit über dem therapeutischen Bereich lag und tödlich war.

Die genaue Anzahl der eingenommenen Tabletten lässt sich heute nicht mehr zuverlässig bestimmen. Die Obduktion und die toxikologischen Befunde weisen jedoch eindeutig auf eine massive Überdosierung hin.

Ob Marilyn Monroe sterben wollte oder ob sie die Gefahr der eingenommenen Medikamente unterschätzte, wird sich vermutlich nie mit letzter Sicherheit klären lassen. Die Ermittlungen von 1962 kamen zum Schluss, dass es sich um einen wahrscheinlichen Suizid, handelte. Als die Staatsanwaltschaft von Los Angeles den Fall 1982 erneut untersuchen liess, fanden die Ermittler keine Hinweise auf ein Fremdverschulden und bestätigten die ursprüngliche Einschätzung.

Ein Vermächtnis, das weiterlebt
Marilyn Monroes Tod wurde über Jahrzehnte als Krimi ausgeschlachtet. Mit Mordgeschichten, Geheimdiensten, Mafia-Killern und Verschwörungstheorien liess sich gutes Geld verdienen. Die spektakulären Geschichten verkauften sich besser als die Realität.

Dabei ist die Geschichte von Marilyn Monroe vor allem die Geschichte einer verletzlichen Frau, die mit psychischen Problemen lebte und dies in einer Zeit, in der Depressionen, Angststörungen und andere psychische Erkrankungen weitgehend tabuisiert wurden.

Bemerkenswert ist, dass Marilyn Monroe selbst offenbar sehr früh erkannt hatte, wie wichtig psychologische und psychiatrische Unterstützung sein kann. In ihrem Testament vermachte sie einen Teil ihres Vermögens ihrer Psychoanalytikerin Dr. Marianne Kris. Sie verfügte, dass dieser Anteil der Förderung psychiatrischer und psychoanalytischer Arbeit dienen sollte.

Nach dem Tod von Marianne Kris im Jahr 1980 ging dieser Teil des Nachlasses an das Anna Freud Centre in London, eine weltweit renommierte Einrichtung für Kinder- und Jugendpsychotherapie. Über Jahrzehnte erhielt das Zentrum Einnahmen aus Marilyn Monroes Nachlass und den damit verbundenen Lizenzrechten. Dadurch konnten zahlreiche Projekte zur Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen unterstützt werden.

Zum 100. Geburtstag von Marilyn Monroe wurde 2026 zudem in New York das «Marilyn Monroe Mental Health for the Arts Program» am Mount Sinai Hospital gegründet. Das Programm unterstützt Kunst- und Kulturschaffende bei psychischen Belastungen und knüpft damit unmittelbar an Marilyn Monroes Wunsch an, psychiatrische Hilfe und psychische Gesundheit zu fördern.

So wirkt ein Teil ihres Vermächtnisses bis heute weiter. Nicht durch Mordtheorien, Gerüchte und Verschwörungsgeschichten, sondern durch konkrete Hilfe für Menschen mit psychischen Herausforderungen. Und vielleicht ist genau das die Geschichte, die es verdient, weitererzählt zu werden.