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  • Ana Xandry und Peter Denlo drehen in Vaduz.

Wie ein neuer Krimi Trail entsteht

«Mord im Schloss»
KT
Von der zündenden Idee, über die Dreharbeiten bis zum spielfertigen Trail.

01. Juni 2026

von Peter Denlo

Mit dem Smartphone bewaffnet wanderst du über Stock und Stein, folgst Hinweisen, verhörst Verdächtige und versuchst, einen kniffligen Mordfall zu lösen. Unsere Krimi Trails verbinden Bewegung, Abenteuer und kriminalistische Spürnase zu einem Erlebnis, das man jederzeit spielen kann. Doch wie entsteht eigentlich ein solcher Krimi Trail? Wie wird aus einer ersten Idee ein Fall, der Hunderte von Hobby-Detektivinnen und Hobby-Detektiven auf Mörderjagd schickt?

Die Geschichte von Mord im Schloss beginnt eigentlich schon vor einigen Jahren. Den Anfang machte Mord im Moor. Im Jahr 2023 realisierten wir mit Mord im Moor unseren ersten Krimi Trail. Die Route führt vom Klosterdorf Einsiedeln nach Arth-Goldau und entstand in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Südostbahn SOB.

Möglich wurde das Projekt durch Filip Flüeler. Filip war seit Jahren Fan unserer Krimiformate und arbeitete inzwischen bei der SOB. Schon lange hatten wir darüber gesprochen, irgendwann einmal gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Mit dem Krimi Trail bot sich endlich die perfekte Gelegenheit. und so erteilte die SOB uns den Auftrag, entlang ihrer Bahnlinie einen interaktiven Kriminalfall zu entwickeln. Die Idee war ebenso einfach wie reizvoll: Die Gäste reisen mit dem öffentlichen Verkehr von Ort zu Ort, sammeln Hinweise auf ihrem Smartphone und lösen dabei einen Mordfall.

Aus dieser Idee entstand Mord im Moor. Dass der Trail so erfolgreich werden würde, hatten wir damals nicht erwartet. Doch schon kurz nach dem Start zeigte sich, dass wir einen Nerv getroffen hatten. Bis heute sind Woche für Woche zig Hobby-Detektivinnen und Hobby-Detektive unterwegs, um den Fall zu lösen. Familien, Paare, Freundesgruppen und eingefleischte Krimifans machen sich auf die Suche nach dem Täter. Der Erfolg gab uns recht.

Ein schwieriges Jahr
Das vergangene Jahr war für uns nicht einfach. Eine hohe Rückforderung aus der Covid-Zeit stellte uns vor grosse finanzielle Herausforderungen und beschäftigte uns monatelang. Umso mehr freuten wir uns, als die SOB erneut auf uns zukam. Diesmal ging es sogar um zwei neue Krimi Trails.

Die SOB hatte zwei weitere Regionen entlang ihres Streckennetzes ausgewählt. Einerseits das St. Galler Rheintal und das Fürstentum Liechtenstein, andererseits die Gegend rund um den Linthkanal zwischen Walensee und Zürichsee. Für uns war sofort klar: Das wollen wir machen.

Auf der Suche nach einer Geschichte
Im vergangenen Sommer machte ich mich auf den Weg, um die neue Region zu erkunden. Gemeinsam mit Schauspielerin und Freundin Rahel Valdivieso verbrachte ich einen sonnigen Sommertag im Rheintal. Wir spazierten durch Sargans, überquerten die Grenze nach Liechtenstein, erkundeten Vaduz, Buchs und Werdenberg und fuhren später sogar weiter bis Richtung Bodensee, wo wir auch das Grenzgebiet zu Österreich erkundeten.

Wer durch eine Grenzregion reist, bekommt automatisch Ideen für Kriminalgeschichten: Schmuggel. Grenzgänger. Falsche Identitäten. Versteckte Transporte. Internationale Verbindungen. Die ersten Notizen in meinem Notizbuch drehten sich tatsächlich um solche Themen. Doch noch war alles offen. Die Landschaft, die Städte und die Menschen mussten zuerst auf mich wirken. Ein Krimi Trail lebt schliesslich nicht nur von einem guten Fall. Er lebt auch von den Orten, an denen die Geschichte spielt.

Drei Schlösser
Ende letzten Jahres konkretisierten sich die Pläne. Die SOB konnte zusätzlich LIEmobil, das Busnetz des Fürstentums Liechtenstein, als Partner gewinnen. Gemeinsam entschieden wir uns, die Route von Sargans über Vaduz nach Werdenberg zu führen. Eine wunderschöne Strecke. Das historische Städtchen Sargans mit seiner imposanten Burg. Das elegante und internationale Vaduz. Das malerische Werdenberg mit seinem See und den historischen Häusern. Doch noch fehlte die zündende Idee.

Dann kam Patrick Staub ins Spiel. Patrick unterstützt mich in erster Linie bei administrativen Arbeiten rund um die Krimi Trails. Doch während einer Besprechung machte er eine Beobachtung, die alles verändern sollte. Sargans hat ein Schloss. Vaduz hat ein Schloss. Werdenberg hat ebenfalls ein Schloss. Drei Orte. Drei Schlösser. Und so war plötzlich alles klar. Mord im Schloss.

Der Titel stand praktisch sofort fest. Schlösser sind seit Jahrhunderten Orte von Macht, Intrigen, Geheimnissen und Verbrechen. In ihren Mauern wurden Bündnisse geschlossen, Verrat geplant und Konflikte ausgetragen. Manche Geschichten sind dokumentiert, andere längst vergessen. Wenn Wände sprechen könnten. Für unseren neuen Trail beschloss ich, ihnen zuzuhören.

Die Verdächtigen
Jeder gute Krimi braucht interessante Verdächtige. Deshalb begann ich im letzten Winter damit, die Figuren für den Fall zu entwickeln. Schon bald war klar, dass sechs Verdächtige im Zentrum der Geschichte stehen würden. Menschen mit Geheimnissen, Motiven und Verbindungen zum Opfer.

Für die Rollen verpflichteten wir ein Ensemble, das mir seit Jahren ans Herz gewachsen ist: Christian Arroyo, Mauro Galati, Angela Hunkeler, Jürg C. Maier, Robin Sauser, Marius Sverrisson und Ana Xandry. Alle haben bereits in verschiedensten Produktionen von krimi.ch mitgewirkt. Wir kennen uns seit Jahren. Wir haben gemeinsam auf Bühnen gestanden, Kriminalfälle gelöst, Leichen entdeckt und Mörder gejagt. Man könnte fast sagen: Wir sind eine kleine Familie. Das macht die Zusammenarbeit unglaublich angenehm. Oft genügen wenige Worte, manchmal sogar nur ein Blick, und alle wissen sofort, was gemeint ist.

Schreiben, drehen, schneiden
Nachdem die Figuren feststanden, begann die eigentliche Schreibarbeit. Ich entwickelte den Mordfall, die Hintergrundgeschichten der Verdächtigen, die Motive, die falschen Fährten und die entscheidenden Hinweise. Anschliessend schrieb ich die Texte für die zahlreichen Videos, die die Spielerinnen und Spieler später unterwegs anschauen.

Denn anders als bei einem klassischen Krimi in Buchform lesen die Gäste die Geschichte nicht einfach. Sie erleben sie. Die Verdächtigen erscheinen auf dem Smartphone. Sie erzählen ihre Version der Ereignisse. Sie beschuldigen andere. Sie verschweigen Dinge. Sie lügen. Und die Aufgabe der Hobby-Detektive besteht darin, Wahrheit und Täuschung voneinander zu trennen.

Dreharbeiten an den Originalschauplätzen
Schliesslich kam der spannendste Teil. Die Dreharbeiten. Wir wollten nicht irgendwo in einem Studio filmen. Die Geschichte sollte dort spielen, wo die Gäste später unterwegs sind. Also führten uns die Dreharbeiten direkt an die Schauplätze des Verbrechens. Wir filmten in einer Kunstgalerie, auf einem Weingut, in historischen Gassen und an weiteren Orten entlang der Route.

Natürlich spielten auch Schloss Sargans und Schloss Werdenberg eine wichtige Rolle. Die historischen Gebäude lieferten eine spektakuläre Kulisse für unseren Krimi. Es gibt kaum etwas Schöneres, als wenn ein Drehort selbst bereits eine Geschichte erzählt. Und genau das tun diese Schlösser.

Vom Rohmaterial zum Krimi
Nach den Dreharbeiten begann die Arbeit am Computer. Stundenlang sichtete ich das Material, schnitt die einzelnen Aussagen zusammen und fügte alles zu einer stimmigen Geschichte zusammen.

Wer jemals einen Krimi geschrieben hat, weiss: Die grösste Herausforderung besteht nicht darin, den Täter zu finden. Die grösste Herausforderung besteht darin, den Zuschauer möglichst lange auf die falsche Fährte zu locken. Genau das versuchten wir auch bei Mord im Schloss. Jede Aussage wurde sorgfältig platziert. Jeder Hinweis überprüft. Jede falsche Spur bewusst gelegt. Denn schliesslich soll die Lösung nicht zu einfach sein.

Bald geht es los
Nach vielen Monaten Arbeit ist es nun endlich so weit. Mord im Schloss ist fertig und bereit für seine ersten Ermittlerinnen und Ermittler. Der Vorverkauf startet heute, am 1. Juni. Und ab dem 12. Juni kann der Fall gespielt werden.

Wer sich auf die Reise macht, darf sich auf einen spannenden Krimi, wunderschöne Landschaften, historische Orte und zahlreiche überraschende Wendungen freuen. Ein mörderisch guter Tag im St. Galler Rheintal und im Fürstentum Liechtenstein ist garantiert.

Praktisch dabei: Die Fahrten mit Bus und Bahn entlang der Route sind bereits im Ticket enthalten. Auch die An- und Rückreise aus Zürich, St. Gallen, Chur und Luzern ist inklusive.

Und der nächste Fall wartet bereits
Wer nun glaubt, wir könnten uns nach der Fertigstellung entspannt zurücklehnen, irrt sich. Während Mord im Schloss in den Startlöchern steht, laufen bereits die Arbeiten am nächsten Projekt. Bis Ende August soll nämlich auch der zweite neue Krimi Trail fertiggestellt werden. Dieser führt dann von Unterterzen am Walensee entlang des Linthkanals bis nach Schmerikon am Zürichsee. Der Titel steht bereits fest: Mord im Kanal. Morgen beginnen die Proben und nächste Woche wird gedreht. Uns wird also nicht langweilig.

Und eines können wir jetzt schon versprechen: Auch am Linthkanal wartet wieder ein kniffliges Verbrechen darauf, aufgeklärt zu werden.