Sie ist Holländerin, Schweizerin, Musicalstar, Mutter, Jodlerin und seit einiger Zeit auch eine unserer beliebtesten WeekendKrimi-Schauspielerinnen. Yael de Vries hat viele Talente. Eines davon ist, dass man sie einfach gernhaben muss. Ich habe mich mit ihr auf einen Kaffee getroffen, um über tote Hotelgäste, lebendige Zuschauer und ihre WeekendKrimi-Pause zu plaudern.
Es gibt Schauspielkolleginnen, mit denen man auf der Bühne steht, seine Arbeit macht und danach wieder nach Hause geht. Und dann gibt es solche, bei denen man sich auf jede gemeinsame Vorstellung freut, weil man weiss: Das wird ein Vergnügen. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter. Solche sind immer ein absoluter Glücksgriff, denn das Zwischenmenschliche kann man bei einem kurzen Casting oft nicht auch noch genau überprüfen.
Doch Yael de Vries war so ein Glücksgriff. Das kam jedoch auch nicht ganz von ungefähr: Empfohlen wurde sie Angela Hunkeler und Monika Michel, die beide bereits viele DinnerKrimis und Monika auch einen WeekendKrimi gespielt haben. «Yael passt voll gut in das Format», versprach mir Monika Michel, als ich auf der Suche nach einer energiegeladenen Schauspielerin für den WeekendKrimi Der Absturz war. Und sie hatte Recht. Yael kam, sah und siegte.
Nun muss ich mich allerdings langsam mit einem Gedanken anfreunden, der mir überhaupt nicht gefällt: Yael wird uns verlassen. Zumindest vorübergehend. Im nächsten WeekendKrimi Lebendig begraben wird sie nicht mitspielen, weil sie für ein Musical in Deutschland engagiert ist. Das gönne ich ihr natürlich von Herzen. Aber vermissen werde ich sie trotzdem. Als Schauspielerin, als Kollegin und vor allem als Mensch.
Zum Glück bleiben uns noch die Vorstellungen von Der Absturz bis Anfang Februar. Und ein gemeinsamer Ingwertee, bei dem ich herausfinden wollte, wer diese Frau eigentlich ist, die mit so viel Charme, Können und einer gehörigen Portion Humor durch unsere Krimiwochenenden wirbelt.
Eine Holländerin kommt selten allein
In Der Absturz spielen Yael und ich unter anderem das holländische Moderatorenpaar Rieke und Fokke van Gagelhagen. Zwei Namen, bei denen man sich schon beim Aussprechen ein wenig verschlucken kann. Während mein als Kind gelernter Holländisch recht rostig ist, hat Yael einen unfairen Vorteil: Es ist ihre Muttersprache.
«Meine Mutter ist Niederländerin», erzählt sie. «Ich hatte das Glück, zweisprachig aufzuwachsen. Und seit einer Gesetzesänderung besitze ich neben dem Schweizer auch den niederländischen Pass.» Das erklärt natürlich einiges. Und so teilen wir beide die Liebe für Hagelslag, Gemberkoek und Gouda und können uns stundenlang über holländische Süssigkeiten unterhalten, während uns das Wasser im Mund zusammenfliesst. Dies zum Überdruss unserer WeekendKrimi-Kollegen, die mit dem bunten Süsszeug aus den Niederladen wenig anfangen können.
Von den grossen Musicalbühnen ins Hotelrestaurant
Yael hat auf zahlreichen grossen Musicalbühnen in der Schweiz, Deutschland und anderen Ländern gestanden. Da könnte man meinen, ein WeekendKrimi in einem Hotelsaal sei für sie eine eher bescheidene Angelegenheit. Weit gefehlt.
«Beim WeekendKrimi sind wir mittendrin statt nur dabei», erklärt sie. «Das Spiel ist viel direkter und näher am Publikum. Wir haben keine vierte Wand, sondern lauter unbekannte Mitspieler, die natürlich auch unerwartet reagieren.»
Und genau das liebt sie. Denn während im Musical meistens klar ist, wer wann was sagt bzw. singt, kann beim WeekendKrimi jederzeit ein Gast beschliessen, die Handlung eigenmächtig voranzutreiben. Oder eine Frage stellen, auf die im Drehbuch niemand eine Antwort vorgesehen hat.
«Spontaneität und Flexibilität sind deshalb unerlässlich», meint Yael. Wobei sie solche Herausforderungen durchaus kennt: «Auch auf Musicaltourneen habe ich Bühnen erlebt, für die das Bühnenbild entweder viel zu gross oder viel zu klein war. Da mussten wir auch improvisieren. Ob auf der grossen Bühne oder zwischen gedeckten Tischen: Eine Schauspielerin muss sich eben zu helfen wissen», erklärt sie mit einem Zwinkern in den Augen.
Und was gefällt ihr am WeekendKrimi weniger? Ich erwarte eine Geschichte über schwierige Räumlichkeiten, unberechenbare Gäste oder lange Arbeitstage. «Nein», sagt sie ohne gross nachdenken zu müssen. «Die Mischung macht’s.» Das ist Yael. Erfreulich unkompliziert.
Ein Jodelkurs mit ungeahnten Folgen
Wer glaubt, Yaels Talente beschränkten sich auf Schauspiel und Gesang, hat die Rechnung ohne ihre Stimmbänder gemacht. Mit ihrer Musikformation «Da Yodla» schaffte sie es 2022 mit einem Jodelsong auf Platz eins der deutschen Radiocharts. «Wie kam das denn zustande?», will ich wissen.
«Alles begann mit einem Musicalvorsprechen. Innerhalb einer Woche musste ich jodeln lernen!» Was? Ich mache grosse Augen. Andere Menschen hätten sich vermutlich einen Jodellehrer gesucht oder die Audition flitzen lassen. Nicht Yael. Sie öffnete YouTube: «Ich habe mir das kurzerhand mittels eines YouTube-Tutorials draufgeschafft», erzählt sie lachend.
«Den Musicaljob bekam ich zwar damals nicht. Dafür hatte ich plötzlich eine neue Fähigkeit, die mich nicht mehr losliess. Und daraus wurde einige Jahre später tatsächlich ein Nummer-eins-Hit.»
Familienleben und Rampenlicht
Yael lebt mit ihrer Familie im Kanton Schaffhausen und ist Mutter. Wie bringt man Kinder, Partnerschaft, Proben, Vorstellungen und einen Beruf unter einen Hut, bei dem man selten um 17 Uhr den Computer ausschaltet?
«Es geht nichts über gute Organisation», erklärt sie. «Und über eine tolle Familie: einen unterstützenden Partner, fantastische Omas, Opas, Tanten und Freunde, die einspringen oder auch einmal mitreisen, wenn Not am Mann oder an der Frau ist.»
Es braucht also nicht nur Talent, um auf der Bühne erfolgreich zu sein, sondern auch ein gut funktionierendes Netzwerk hinter den Kulissen.
Wenn die Leiche plötzlich echte Gäste erschreckt
Bei unseren WeekendKrimis verwandeln sich Hotels regelmässig in Tatorte. Da liegen Leichen herum, Verdächtige schleichen durch die Gänge und Ermittler suchen nach Spuren. Für unsere Gäste gehört das zum Vergnügen. Für unbeteiligte Hotelbesucher kann es allerdings zum gehörigen Schock werden.
Yael erinnert sich an einen besonders schönen Zwischenfall: In einem Hotel gerieten einige asiatische Gäste, die mit unserem Krimi überhaupt nichts zu tun hatten, völlig unerwartet an einen Leichenfundort.
«Die haben sich unglaublich erschreckt!», erzählt sie lachend. «Erst als sie merkten, dass alles nur gespielt war, legte sich der Schrecken. Immerhin: Das erlebt man nicht in jedem Viersternehotel. Und diese Leute haben dann zu Hause etwas zu erzählen…»
Abschied auf Zeit
Kommen wir am Freitag im Hotel an, ist Yael immer voller Euphorie und will gleich für eine Woche mit ihrer Familie einchecken, weil ihr die Hotels so gut gefallen. Also welche ist ihre wirkliche Lieblingslocation? Von allen Spielorten schwärmt Yael besonders von Vitznau. «Die Kombination aus Vierwaldstättersee und Bergen ist für mich schlicht der Place to be».
Bis Februar werden wir noch gemeinsam in «Der Absturz» spielen. Danach zieht es sie für ein Musicalengagement nach Deutschland. Was wird sie am WeekendKrimi am meisten vermissen?
«Auf jeden Fall das tolle Team!», sagt sie ohne zu zögern. «Dazu unsere verrückten, ausgeklügelten Stücke, in denen man sich schauspielerisch so richtig austoben darf, das unmittelbare Spiel mit dem Publikum und natürlich die wunderschönen Hotels.»
Die gute Nachricht: 2028 wird sie zu uns zurückkehren. Bis dahin muss ich mich wohl damit abfinden, dass mein holländisches Moderatorenherz eine Weile ohne seine Rieke auskommen muss.
Aber noch ist es nicht so weit!
Wer Yael de Vries und mich als Rieke und Fokke van Gagelhagen erleben möchte, sollte sich jetzt unbedingt einen Platz bei Der Absturz sichern. Noch bis Februar treiben wir gemeinsam unser Unwesen, verdächtigen unschuldige Menschen, stolpern über Leichen, versuchen, die Kontrolle über unsere holländische Fernsehkarriere zu behalten und singen, «Lass dich überraschen, schon kann es gescheh’n, jetzt kannst du dem Tod in die Augen seh’n!»