Die Chancen stehen gut, Pauli Schmidig zu erleben, wenn man einen DinnerKrimi besucht. Seit sieben Jahren ist der umtriebige Schauspieler in unzähligen Vorstellungen gestorben und verhaftet worden. Doch die Bühne ist nicht alles in Paulis Leben – er ist Papa mit Leidenschaft, Taxifahrer und Herzensmensch.
Pauli Schmidig ist in Arth-Goldau, am Fuss der Rigi, geboren und aufgewachsen. Die Wurzeln der Familie reichen bis ins Muotathal. Orte, die für ihre Bodenständigkeit, Berge und Traditionen bekannt sind – weniger für Schauspielschulen.
«Wir sind Handwerker, seit Generationen. Theater war weit weg», sagt Pauli und erinnert sich: «Ich komme aus einfachen Verhältnissen, was ich heute als Bereicherung empfinde. Denn dabei habe ich gelernt, dass man mit starkem Willen und harter Arbeit alles erreichen kann.»
Die Theaterbühne betrat er zum ersten Mal während der Schulzeit. «Das war das Grösste für mich, und ich entschied mich, eines Tages Schauspieler zu werden», schwelgt er. Aber als es um die Berufswahl ging, hiess es einfach: «Zuerst musst du öppis Richtigs lernen.» Und so musste der Schauspieltraum für einige Jahre in den Hintergrund geschoben werden.
Nach der Lehre als Autolackierer wurde Pauli dann Chauffeur auf dem Lieferwagen, bald darauf auf dem 40-Tönner. Später Disponent, dann Dispositionsleiter, zuletzt Transportleiter bei Senn Transport in Seewen. Ein klassischer Aufstieg, doch die Leidenschaft zum Theater hatte er nie ganz vergessen. Und so trat er einem Laientheater bei und fing wieder Feuer: «Ich wusste, egal wie – jetzt musst du das zu deinem Beruf machen», sagte er sich und schrieb sich an der Schauspielschule in Zürich ein. «Gleichzeitig begann ich Taxi zu fahren, was mir die Flexibilität bot, in die Schule zu gehen und daneben zu arbeiten, um das Ganze auch irgendwie zu finanzieren.»
Über 500 DinnerKrimi-Vorstellungen
Nach der Ausbildung sammelte Pauli erste Erfahrungen bei Tournéebühnen, Kindertheatern und beim Film. 2017 kam er zu DinnerKrimi und ist dem kriminellen Esstheater seither treu geblieben. «Es macht mir immer noch riesig Spass. Jede Vorstellung ist anders, was viel Abwechslung mit sich bringt. Und wenn das Publikum so richtig mitfiebert, dann gibt uns das eine enorme Energie zurück», verrät er und lacht dann: «Und hey, auch wir Schauspieler essen dabei richtig gut!»
Dabei unterscheidet sich die schauspielerische Arbeit bei einem DinnerKrimi komplett von der herkömmlichen Bühne. «DinnerKrimi ist kein klassisches Theater», erklärt er. «Wir spielen mitten im Publikum, zwischen Tischen und Tellern. Wir sehen sofort, wenn ein Zuschauer gelangweilt auf seinem Handy herumtippt. Da muss man reagieren. Wir spielen alle mehrere Rollen und ziehen uns in 30 Sekunden von Kopf bis Fuss um. Das sind teilweise richtige Fitnessübungen – besonders, wenn zwischen Bühne und Garderobe noch eine Treppe und ein langer Hotelgang liegen.»
Pauli muss es wissen, denn er hat in 13 DinnerKrimi-Produktionen nunmehr weit über 500 Vorstellungen gespielt. Geht da nicht auch mal etwas schief? «Andauernd!», prustet es aus ihm heraus. «Aber das Publikum merkt meistens nichts. Einmal kam und kam der Herr Kollege einfach nicht auf die Bühne. Ich improvisierte mit den Gästen, um die Wartezeit zu überbrücken. Dann endlich stand er da – im falschen Kostüm! Aber ich liess mir nichts anmerken, und wir spielten beide, wie wenn nichts wäre. Wir wechselten in die dritte Person und sprachen über die Figur, die mein Schauspielkollege eigentlich hätte verkörpern sollen. So streuten wir alle relevanten Infos, und die Zuschauer merkten von dem ganzen Wirrwarr nichts – ausser vielleicht, dass uns dicke Schweissperlen über die Stirn rollten.»
Pauli wird Papi
Mitten in einer besonders intensiven Spielwoche – sieben Shows in sieben Tagen – sollte sein Sohn zur Welt kommen. «Ich wollte doch unbedingt bei der Geburt dabei sein. Doch was, wenn ich dann mitten in einer Vorstellung in Hinterhützenfrütz wäre», erinnert er sich. «Der Kleine hat’s wohl selber irgendwie gemerkt und liess sich alle Zeit der Welt, bis die Ärzte einen Kaiserschnitt empfahlen. Dann wurde alles planbar», erzählt er erleichtert weiter. «Wir konnten die Geburt auf den frühen Morgen legen. Und Schauspielkollege Yves Ulrich tauschte mit mir die Vorstellung, sodass ich nicht nach Biel gehen musste, sondern an dem Abend in Zürich spielen konnte. Das gab mir ein paar Extrastunden mit meinem frischgeborenen Sohn Pauli Junior.» Papa Pauli strahlt beim Erzählen übers ganze Gesicht. «Das war mit Abstand das intensivste Erlebnis und der schönste Tag meines Lebens!»
Doch mit einer Familie kommen auch Verpflichtungen. Als Schauspieler ist man nicht auf Rosen gebettet, und so ist Pauli auch heute noch als Taxifahrer anzutreffen. «Ich arbeite für die Taxi Schweiz AG und chauffiere Leute ganz klassisch von A nach B. Aber wir transportieren zum Beispiel auch Kinder mit geistigen und körperlichen Einschränkungen. Von diesen Menschen kommt so viel zurück, auch wenn sie es nicht in Worte fassen können.» Der Wechsel zwischen Theater und Taxi ist für Pauli kein Widerspruch. Im Gegenteil: «Ich liebe den Kontakt mit Menschen – egal ob auf der Bühne oder auf dem Rücksitz.»
Freizeit ist rar bei Pauli. «Es geht zwar selten, aber wenn ich mal kann, dann schlafe ich gern so richtig aus. Ich reise gern, gehe ins Fitness und esse gern gut. Aber am wichtigsten ist mir, Zeit mit meiner Freundin und meinem Sohn zu verbringen», verrät er und wird dann ernst: «Pauli ist jetzt schon sechs. Die Jahre fliegen nur so vorbei, und manchmal mache ich mir Gedanken, ob wir genügend Zeit miteinander verbringen.»
Pauli jongliert verschiedene Jobs, tourt mit DinnerKrimi kreuz und quer durchs Land und ist oft spät zu Hause, wo er seinen Sohn nur noch schlafend sieht. «Ich versuche, jede freie Minute mit ihm zu verbringen, und er findet es gerade supertoll, was ich mache – besonders die Pistolen und die Perücken haben es ihm angetan.» Und wenn Pauli zu Hause Text lernt, plappert der Sohn schon mal ganze Textpassagen nach. «Das macht mich mega stolz. Und wenn ich mit ihm, wie kürzlich geschehen, bei MacDonald’s sitze und eine Frau mich von ihrem letzten DinnerKrimi Besuch erkennt, dann ist er unglaublich stolz auf mich.»
Doch nicht alles ist Spiel und Hamburger. «Gerade versuche ich ihm zu erklären, dass das alles Fiktion ist. Dass ich nicht wirklich sterbe oder böse bin. Das ist manchmal noch schwierig für ihn zu verstehen.» Beruflich hat der Junior bereits Pläne: «Polizist, Schauspieler oder Taxifahrer – eins von den dreien», sagt Pauli und lacht. «Im Moment spielt er Handball, das tut ihm gut. Und ich schaue, dass er bald mal einen Theaterkurs besuchen kann. Er hat definitiv Lust dazu.»
Kommissar Locher
Zurzeit ist Pauli mit dem DinnerKrimi Testament mit Tücken unterwegs. Dabei spielt er den trotteligen Kommissar Locher, der sich schliesslich gar zu einem Strip hinreissen lässt. «Aber ich spiele auch ein Mordopfer und einen überkorrekten Bierbrauerei-Mitarbeiter. Drei Rollen an einem Abend – das liebe ich. Und wer diesen irrwitzigen Krimi noch nicht gesehen hat,» fügt er an, «sollte sofort Tickets buchen, denn Testament macht sehr viel Spass!»
Im Herbst folgt mit Killer Klinik bereits der nächste DinnerKrimi – Details kennt er noch nicht. «Ich weiss nur: Es wird um eine Klinik gehen, irgendwo wird jemand draufgehen, und es wird sicher wie immer mordsmässig schräg.»
Auch beim Krimi-Trail Mord im Moor ist Pauli zu sehen – diesmal zwar nicht live, sondern in unzähligen Videos. «Mord im Moor ist eine Art interaktive Schnitzeljagd, bei der man per Smartphone einen Fall löst. Dabei sucht man in der Gegend von Einsiedeln nach Indizien. Und hey, soviel sei verraten: Die Suche endet in Arth-Goldau – meiner Heimat! Man kann wandern oder den Zug nehmen. So oder so ist Mord im Moor ein geniales Abenteuer an der frischen Luft!»
Schmidigs Schmäh
Pauli ist bei Publikum und Kollegen gleichermassen beliebt. Die DinnerKrimi-Gäste schätzen sein Talent, seine Wandlungsfähigkeit und seinen Schalk. Die Arbeitskollegen mögen seinen Teamgeist, seinen Charme und wissen, dass sie immer auf ihn zählen können. «Auch wenn’s mal brenzlig wird, behalte ich einen kühlen Kopf und übernehme auch mal Verantwortung. Mir fällt das nicht schwer, denn ich bin ein praktischer Mensch und mag die Arbeit im Team. Und DinnerKrimi ist absolute Teamarbeit: Wir reisen zusammen, essen zusammen und verbringen viel Zeit miteinander. Da sind viele tolle Freundschaften entstanden, die ich nicht missen möchte», schwärmt er und fügt an: «Ich habe bei krimi.ch eine Art Familie gefunden, in der ich mich sehr wohl fühle. Ich stehe hinter unserer Arbeit. Egal, welches Krimi-Abenteuer man bucht – das Dinner, ein ganzes Wochenende, Mord im Moor oder der neue Langstrassen-Krimi – hinter allem steckt viel Leidenschaft, Herzblut, und das alles hat Hand und Fuss. Das mag ich, und das macht mich stolz, Teil davon zu sein.»